ROLLE ODER PLATTE?

Technischer Bericht Nr. 2

ROLLE ODER PLATTE?

Vor dieser Entscheidung hat wahrscheinlich jeder einmal bei der Konzeption seiner Werkstatt gestanden. Doch diese Frage lässt sich nicht mit einem absoluten Pro oder Contra eines Prüfprinzips beantworten.

Als einer der ältesten Hersteller mit über 40 Jahren Erfahrung im Prüfstandsbau sind wir täglich mit dieser Frage konfrontiert. AHS PRÜFTECHNIK fertigt und vertreibt beide Systeme von Bremsprüfständen, so möchten wir Ihnen mit dieser Betrachtung beide Prüfsysteme und ihre Eigenschaften darlegen, um Ihnen die Entscheidung für das eine oder andere Prüfgerät zu erleichtern.

Beide Bauarten von Bremsprüfständen existieren seit den 30er Jahren. Das Funktionsprinzip ist unverändert; aber die Messtechnik hat sich natürlich entscheidend verändert. Während früher mittels Gewichten, hydraulischen oder pneumatischen Messdosen oder Federwaagen die Bremskräfte gemessen wurden, erfolgt dies heute, dem Stand der Technik entsprechend, über Messgeber in Dehnungsmessstreifen-Technik.

Plattenbremsprüfstände funktionieren so, dass das Fahrzeug mit Prüfgeschwindigkeit (5-10 km/h) auf die Prüfplatten aufgefahren und dort abgebremst wird. Die Prüfplatten bestehen aus einem Oberteil mit einer Beschichtung oder Streckmetallbelag zur Reibwerterhöhung und einer Unterplatte, welche auf dem Untergrund befestigt ist. Die Oberplatte ist in der Längsrichtung beweglich gelagert (Nadellager, Kugelrollen etc.) und mittels eines DMS-Messelementes mit der Unterplatte verbunden. Durch die an der Oberseite angreifende Bremskraft wird die Platte in Fahrt- bzw. Bremsrichtung verschoben; dabei wird das Messelement verformt (im Zehntelmillimeter-Bereich) und das resultierende elektrische Signal entsprechend verarbeitet und zur Anzeige gebracht. Es gibt sowohl 2-Platten-Prüfstände zur Prüfung einer Achse pro Bremsvorgang als auch 4-Platten-Prüfstände zur gleichzeitigen Prüfung aller vier Räder eines Fahrzeugs. Plattenprüfstände sind im Allgemeinen nur für Pkw/Kleintransporter üblich. In den USA gibt es auch Versionen für die Lkw-Prüfung.

Rollenprüfstände basieren auf dem Prinzip der Drehmomentmessung. Ein durch Kettentrieb verbundenes Rollenpaar pro Radseite wird durch einen Elektromotor angetrieben. Der Motor ist drehbar gelagert und stützt sich über einen Drehmomenthebel auf dem am Rahmen befestigten Messelement ab. Die Prüfstandsrollen (mit Reibbelag) laufen je nach Typ mit einer Geschwindigkeit von 3 - 5 km/h. Wird das in den Rollen laufende Fahrzeugrad abgebremst, greift die Bremskraft am Rollenradius an und erzeugt ein Rückstellmoment, welches auf den Motor übertragen wird und über den Messhebel am Messelement eine Kraft einleitet, die dann als elektrisches Signal weiterverarbeitet und angezeigt wird. Rollenbremsprüfstände gibt es in allen Größenklassen, vom Motorrad bis zu 20 t Achslast. Rollenbremsprüfstände werden üblicherweise für eine Achse verwendet, es gibt aber auch Ausführungen als Mehrachsstand mit verschiebbarem Achsabstand.

Rollen- sowie Plattenprüfstand sind in Deutschland als Prüfmittel für Hauptuntersuchungen nach § 29 zugelassen. In anderen EU-Staaten jedoch sind häufig nur Rollenprüfstände zugelassen. Für die Bremsuntersuchung bietet der Rollenprüfstand eindeutig mehr Möglichkeiten, um Fehler am Bremssystem zu diagnostizieren. So lässt sich die Bremskraft gleichmäßig bis zum Blockierpunkt (Bremskraftmaximum) steigern und auf Zwischenwerten halten, um eventuelle Ovalitäten zu erkennen. Ein Schleifen (Rollwiderstand) oder verzögertes Lösen der Bremse lässt sich direkt am Anzeigegerät erkennen. Wiederholungsmessungen sind problemlos möglich.

Beim Plattenprüfstand dagegen muss bei Wiederholungen ständig hin- und hergefahren werden (Unfallgefahr). Die Reproduzierbarkeit der Messwerte auf dem Plattenprüfstand ist schwierig, da abhängig von der Bremsbetätigung. Dabei kann schnell die Blockiergrenze überschritten werden bzw. bei zu geringer Betätigung wird das Rad nicht mehr auf der Platte abgebremst.

Bei einem 4-Plattenprüfstand besteht aufgrund der festgelegten Anordnung der Platten, aber verschiedener Achsabstände der Fahrzeuge, das Problem eines sehr kurzen "Bremsweges".

Der Vorteil des Plattenprüfstandes gegenüber den Rollen ist die dynamische Achslastverlagerung, d. h. beim Bremsen verlagert sich wie auf der Straße das Fahrzeuggewicht auf die Vorderachse. Die Hinterachse wird entlastet, der Bremskraftbegrenzer tritt in Aktion. Exakte Ergebnisse kann man aber nur auf einer 4-Plattenanlage erwarten, um gleiche Bedingungen an allen Rädern zu haben. Diese Anlage ist aber weit teurer als ein Rollenprüfstand und beansprucht eine größere Fläche.

Daher empfehlen wir für die umfassende Bremsendiagnose den Rollenprüfstand.

Der Plattenprüfstand ist eine sinnvolle Ergänzung für die Direktannahme eines Autohauses oder einer größeren Werkstatt.

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